À la carte im Schloss

28.11.2009 -

Schloss Atzelsberg öffnet sich von Sonntag bis Donnerstag den Gourmets – Regionale Spezialitäten auf höchstem Niveau aus der Küche von Norbert Nägel und seinem Team – Denkmalgeschützte Schloss-Scheune bietet ab Mai 2009...

Erlangen/Atzelsberg – Als Norbert Nägel das Schloss Atzelsberg übernahm, war ihm bereits klar: „Dieses wunderbare Anwesen ist viel zu schade, um nur für Veranstaltungen geöffnet zu sein.“ Und jetzt ist es so weit: An Sonntag (11 bis 15 Uhr) sowie von Montag bis Donnerstag (17 bis 22 Uhr) öffnet sich das jahrhundertealte Eichentor am Ende der sandsteinernen Brücke für alle Freunde der ebenso anspruchsvollen wie größtenteils regional inspirierten Gastronomie. Das Team um Norbert Nägel wird im „Schloss-Restaurant“ Wild aus den Wäldern der Umgebung, Fisch aus den Teichen benachbarter Landwirte ebenso verarbeiten wie andere Zutaten „von kompromissloser Qualität“. Auf dieser Basis entstehen wiederum Menüs, in denen man „die fränkische Ehrlichkeit einer Schlossküche schmeckt“, so Nägel.

Ein wenig entspricht man mit der regelmäßigen Öffnung des Schloss-Restaurants an vier Werktagen auch dem Wunsch vieler Gäste, die Gastronomie und Service des Nägelteams während einer der zahlreichen Veranstaltungen erleben konnten. Norbert Nägel: „Es gibt praktisch keine Feier, bei der wir nicht gefragt werden, wann man bei uns zum Essen kommen könnte.“ Das neue Restaurant in historischem Ambiente als Entgegenkommen an die Gäste? „Ich bin Gastronom aus Leidenschaft“, so Nägel, „ohne den täglichen Kontakt zu meinen Gästen fühle ich mich nicht komplett.“

Der Restaurantbetrieb ist im ersten Stock des über 300 Jahre alten Schlosses untergebracht. In den Salons finden die Gourmets Platz in authentischer Umgebung – da knarzen die uralten Bodendielen unter den Schritten des Personals, wenn der Wein aus dem – im übrigen reichhaltig und ausgesucht markant gefüllten Keller – dekantiert wird, der Blick aus dem Fenster bleibt bei klarem Wetter erst am Walberla im Nordosten hängen. Oder im Geäst des uralten Baumbestands, der so manchem Maler schon als Rahmen für dieses Bild von einem Schloss diente. All dies will Norbert Nägel mit zuvorkommendem und „perfektem Service“ unterstreichen. Die Gäste sollen sich als Teil des malerischen Flairs fühlen. Flanieren im angrenzenden Barockgärtchen inklusive.

„Es stimmt schon“, schwärmt Norbert Nägel, „solch eine Umgebung, noch dazu nur ein paar Minuten von Erlangen bzw. vom Frankenschnellweg entfernt, findet man in der Metropolregion Nürnberg kaum noch.“ Zumal die meisten historischen Gebäude eben nur noch zur Besichtigung oder zu Feierlichkeiten geöffnet würden. „Kulinarisches Kleinod“ trifft es daher wohl sehr gut, freut sich auch Schlossbesitzer Johann Schorr über die neue Initiative seines engagierten Pächters.

Apropos umtriebig. Im Mai wird das ehemalige Wirtschaftsgebäude von Schloss Atzelsberg als weiterer Veranstaltungsort eröffnet. Herzstück des denkmalgeschützten Fachwerkhauses ist ein 240 Quadratmeter großer Saal, der bis zu 200 Personen Platz bietet. Darüber hinaus gibt es im Dachgeschoss einen großzügigen Raum für Ausstellungen und Vernissagen. Schon jetzt steht das Telefon kaum still, denn die in fränkisch-freundlicher Untertreibung bei den Schlossherren als „Scheune“ bezeichnete Location verbindet ihre fränkische Herkunft äußerst reizvoll mit mediterranem Charme. Norbert Nägel freut sich ganz besonders über das nahezu unsichtbare Innenleben des Gebäudes: Modernste Technik für Seminare und Kongresse und eine perfekt ausgestattete Küche. Für die sensible und kompromisslose Renovierung des Gebäudes zeichnete der Erlanger Architekt Karl-Heinz Dhein verantwortlich, der auch alle Arbeiten im und rund um das Schloss betreut.

Das Barock-Juwel auf dem Marloffsteiner Höhenrücken wird auch künftig eine der wichtigsten Adressen in den Veranstaltungskalendern der Metropolregion Nürnberg sein. Von der Familienfeier bis zur Tagung ist alles in perfekter Organisation möglich. Dafür stehen Salons und Säle für bis zu zweihundert Personen zur Verfügung. „Durch die neuen Kapazitäten sind wir nun auch in der Lage, noch größere Gruppen als bisher zu empfangen“, betont Norbert Nägel – auf Wunsch wird im Schlossgarten schon mal ein Pavillonzelt aufgebaut, traumhafter Blick auf die barocke Sandsteinfassade inklusive.


Schloss Atzelsberg

Das historische Anwesen mit denkmalgeschützten Nebengebäuden, Park, Schlossgraben und Barockgärtchen auf insgesamt 8.000 Quadratmetern ist eine der ersten Adressen für Veranstaltungen in der Metropolregion Nürnberg. Urkundliche Hinweise des 15. Jahrhunderts auf einen „Sitz“ Atzelsberg (1432), eine wehrhafte Behausung („castrum“, 1435) oder ein „Sloß“ (1441) deuten auf – vielleicht schon viel ältere – Vorgängerbauten des heutigen Schlosses hin. Der wohlhabende Nürnberger Kaufmann Johann Conradt von Seutter erwarb 1705 das Gut Atzelsberg und die bäuerlichen Gebäude. Noch im Jahr des Kaufs ließ er das barocke Schloss in seiner bis heute erhaltenen Form als dreigeschossigen, fast quadratischen Quaderbau errichten. Mit der Übertragung der niederen Gerichtsbarkeit an Freiherrn von Seutter wurde Atzelsberg wieder zum Rittergut. 1763 wurde erneut ein wohlhabender, bereits geadelter Nürnberger Kaufmann Besitzer Atzelsbergs. Johann Andreas von Wahler fand auf dem Gut damals 12 Haushaltungen mit 50 Personen vor. Gut und Schloss blieben lange in Händen der Familie von Wahler (bis 1849) bzw. später der Familie des Schwiegersohnes Franz Schrodt, dessen Nachkommen das Schlossgut bis 1960 bewirtschafteten und dann an die Stadt Erlangen verkauften. Weil die Stadt Erlangen die dringend notwendigen Investitionen zur Erhaltung des Gebäudes und zur Sicherheit seiner Besucher selbst nicht mehr aufbringen wollte, trennte man sich im Jahr 2004 von der Immobilie. Wenig später erwarb die Familie Schorr Schloss Atzelsberg. Seit September 2005 kann sich nunmehr jeder Besucher Atzelsbergs von der Wiederherstellung des Schlosses in seinem alten Glanz durch die Familiengesellschaft Johann Schorr überzeugen.